Agoraphobie

Was ist eine Agoraphobie? Was sind die Symptome, Ursachen und vorallendingen wie werde ich diese psychische Krankheit wieder los? Fangen wir mit einer grundlegenden Erklärung an:

 

Die Agoraphobie:

Die Agoraphobie gehört zu den psychischen Erkrankungen und bedeutet wörtlich übersetzt “Die Angst vor dem Marktplatz”. Dies ist mehr als eine Metapher zu verstehen und soll eigentlich ausdrücken, dass der Betroffene Angst vor einer bestimmten Situation hat. Der Hintergrund ist in der Regel eine Panikstörung mit der Angst, aus bestimmten Situationen im Falle einer Panikattacke nicht schnell genug fliehen zu können bzw. nicht schnell genug in den “sicheren Hafen”, z.B. die eigene Wohnung, zu kommen. So entwickelt sich bei den Patienten ein Vermeidungsverhalten und der Betroffene vermeidetet öffentliche Plätze, Kinos, Besuche in anderen Wohnungen etc.

In besonders schweren Fällen verlässt der Agoraphobie-Patient die eigene Wohnung nicht mehr, aus Angst das er wo anders eine Panikattacke, Herzinfarkt, Ohnmacht etc. erleiden könnte. Dieses Vermeidungsverhalten ist es jedoch, was den Erkrankten immer weiter in die Angstspirale treibt und der Krankheit weitere “Energie” gibt, sich auszuprägen.

Typische Situationen, die Agoraphobie Patienten mit Panikattacken bzw. Panikstörung vermeiden sind z.B.:

  • Kinos
  • Öffentliche Plätze
  • Restaurants
  • Diskotheken
  • Öffentliche Verkehrsmittel
  • Reisen
  • Geschäfte

Meist geschieht dies einzig aus der Motivation bzw. Sorge, dass man im Falle des Falles nicht schnell genug der Situation entfliehen kann, die Angst hat im Supermarkt ohnmächtig umzukippen oder hilflos auf der Straße zu liegen.

Leider ist genau dieses Vermeidungsverhalten das Problem!

 

Was genau passiert in solchen Situationen?

Ich möchte euch kurz sowohl aus meiner eigenen Erfahrung als aber auch von Erzählungen anderer Betroffener erzählen. Wahrscheinlich kann jeder einige der Situationen nachvollziehen oder kennt ähnliche Gedankengänge.

Egal wo man hinkommt, man überlegt sich bereits vorab, wie man aus der entsprechenden Situation entfliehen kann:

Was ist, wenn etwas passiert? Kann ich schnell genug flüchten? Wenn ich jetzt ohnmächtig umkippe, wer hilft mir? Mein Gott, das ist sicher super peinlich.

Im Flugzeug, Bus oder auf dem Schiff geht das gar nicht. Also wird das jetzt erstmal vermieden. Können wir im Zweifelsfall ja auch drauf verzichten oder? ;) Das Problem beginnt aber genau da. Am Anfang vermeidet man Flugzeuge, später bereits den Supermarkt. Eine klassische Situation ist beispielsweise:

Man steht im Supermarkt. 19 Uhr Abends vor dem Wochenende. Das Geschäft ist brechend voll. Plötzlich überkommt einen das komische Gefühl. Man wird unruhig und hibbelig, die Luft fühlt sich plötzlich nicht mehr frisch an und man hat das Gefühl, man steht neben sich. Nun ist die Schlange an der Kasse auch noch ewig lang und man muss sicherlich 10 Minuten warten. “Was passiert, wenn ich nun umkippe?” “Oh Gott, mir wird schwindelig” “Mein Herz schlägt auch komisch” und ähnliche Gedanken kommen auf. Und plötzlich habt ihr eine handfeste Panikattacke und verlasst im schlimmsten Fall den Supermarkt ohne die Einkäufe. Doch selbst wenn ihr euch der Situation stellt, kommt ihr meistens aus dem Markt raus während die Panikattacke noch im vollen Gang ist und irgendwann setzt das Vermeidungsverhalten ein, die Angst vor der Angst.

 

Was sind klassische Symptome?

Die Agoraphobie tritt meist mit einer Panikstörung bzw. Panikattacken auf. Während die Agoraphobie sozusagen das Gerüst ist, also die Angst vor der Angst, sind die Panikattacken ihr Schwert, die Dich angreifen. Symptome, von denen viele Betroffene erzählen sind beispielsweise:

  • Panikattacken
  • Depersonalisierung / Derealisierung – Du fühlst Dich, als würdest Du neben Dir stehen
  • Kribbeln
  • Innere Unruhe
  • Schweissausbrüche
  • Starkes Vermeidungsverhalten – unangenehme Situationen vermeidest Du bzw. bist in der Situation ausschließlich mit den Gedanken bei möglichen Notfällen, Fluchtplänen etc.
  • Angst vor der Angst – “Nein, das mache ich nicht, dann kriege ich wieder eine Panikattacke” oder “Nene, da geh ich nicht hin, da kommt man nicht schnell genug raus und was ist, wenn ich nun umkippe, kann mir keiner helfen”

 

Der Weg aus der Angst:

Da die Agoraphobie meist mit Panikattacken auftritt, sind die Therapieansätze sehr ähnlich. Dies reicht von Kognitiver Verhaltensterapie bis zu Gesprächstherapie oder auch medikamentöser Behandlung. Aus eigener Erfahrung und Gesprächen mit anderen Betroffen kann ich euch aber sagen: Die Agoraphobie ist definitiv nicht nur heilbar sondern bekämpfbar.

Seht die Angst als euren Gegner und zieht in den Krieg gegen sie!

Das Schlimme an der Agoraphobie ist das Vermeidungsverhalten. Damit begebt ihr euch in einen Strudel, ein Abwärtstrend der am Ende in schweren Fällen darin resultiert, das Patienten ihre eigene Wohnung nicht mehr verlassen. Kämpft gegen das Vermeidungsverhalten, kämpft gegen die Angst vor der Angst. Ich weiß, das hört sich alles sehr leicht an und ihr denkt euch gerade “Das ist alles leichter gesagt als getan” aber genau da fängt es an. Findet euch mit der Angst ab, akzeptiert das ihr ein Problem habt, das Panikattacken kommen und Ängste auftreten – das ist der erste Schritt. Damit besiegt ihr “Die Angst vor der Angst”. Flüchtet nicht mehr aus Situationen, stellt euch bewusst der Angst und nehmt sie hin.

Um Panikattacken, den genauen Ablauf und was wirklich genau passieren kann zu verstehen empfehle ich euch, die anderen Beiträge zu lesen. Man muss das Phänomen Panikattacke und Angst verstehen, um den Gegner von innen zu bekämpfen :)

Weitere Artikel zu Panikattacken sind z.B.:

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