Panikattacken

Panikattacken sind ein äußerst komplexes Thema und ich möchte versuchen, es euch möglichst genau und komplett zu erklären. Auch wenn dieser Beitrag ziemlich lang sein wird, kann ich nur empfehlen, ihn bis zum Ende zu lesen. Nur wenn man das Thema komplett versteht, weiß was bei einer Attacke vor sich geht etc. kann man die Angst oder Panikstörung erfolgreich bekämpfen. Und das ist doch der Grund, warum wir alle hier sind oder? :)

 

Was sind Panikattacken:

Eine Panikattacke ist ein akuter, ziemlich eindrucksvoller Angst-Anfall, um es mal einfach auszudrücken. Dein Körper wechselt in den Ausnahmezustand, Du verspürst Angst und Panik, der Blutdruck schiesst in die Höhe und es werden Unmengen an Adrenalin etc. ausgestossen. Evolutionstheoretisch gesehen sind diese Panikattacken in Problemsituationen sinnvoll, da Dein Körper alle Kräfte mobilisiert und Du so einer Gefahrensituation (z.B. einem angreifenden Wildtier) besser entfliehen kannst. Im Grunde kann eine Angstattacke also auch positiv sein.

Eine Panikattacke ist zeitlich immer begrenzt, was ein ganz wichtiger Punkt ist. Führt euch das vor Augen: Der Körper ist aufgrund begrenzter Vorräte an Hormonen etc. nicht in der Lage, diesen Ausnahmezustand bzw. Angstzustand dauerhaft mit voller Intensität aufrecht zu erhalten. Eine Attacke erreicht meist nach wenigen Minuten ihren Höhepunkt, klingt dann aber in den meisten Fällen relativ schnell ab. Ich will euch nicht nur Schönes erzählen, es gibt auch (äußerst seltene Fälle) in denen eine Angstattacke über mehrere Stunden gehen kann – jedoch 1. niemals mit der vollen Intensität und 2. sind das wirklich absolute Ausnahmefälle. Natürlich, ich weiß das ihr jetzt denkt “Ich bin der Ausnahmefall” oder “Was ist, wenn ich der Ausnahmefall bin?” – na und? Dann seid ihr es und die Attacke dauert dann halt 2 Stunden. Ihr müsst euch hier vor Augen führen, dass es nichts anderes ist als eine Stimmung, dann fühlt ihr 2 Stunden Angst, was sicher alles andere als angenehm ist aber halt auch definitiv nicht gefährlich! Eine Panikstörung bzw. Angstattacke ist grundsätzlich erstmal nichts anderes als eine Stimmung und ändert an der körperlichen Verfassung oder den äußeren Umständen nichts. Es ist etwas, was nur in eurem Kopf vorgeht und äußere Umstände oder körperliche Faktoren nicht beeinflusst – das Risiko eines Herzinfarkts steigt nicht, die Möglichkeit vom Bus umgefahren zu werden verändert sich nicht – gar nichts. Alles ist wie immer, außer das euer Gefühl in diesem Moment von der Angst geprägt ist.

 

Unterschiede zwischen Panikattacken:

Die Medizin bzw. Psychologie unterscheidet zwischen 3 verschiedenen Arten von Panikattacken. Die Symptome etc. sind die gleichen, lediglich die zugrunde liegende Erkrankung ist eine andere.

  • Die plötzliche, ohne jeden ersichtlichen Grund auftretende Angstattacke. Diese ist meist auf eine allgemeine Panikstörung zurück zu führen.
  • Panikattacken, die durch einen bestimmten Zustand begünstigst werden, sind meist Bestandteil einer sozialen Phobie oder anderen Phobien.
  • Attacken, die an eine gewisse Situation gebunden sind bzw. daraus entstehen können teil der Panikstörung oder aber auch von Phobien sein.

Wichtig ist aber hierbei auch anzumerken, dass dies etwas verallgemeinert ist: Nicht jeder, der mal eine Panikattacke erlebt, muss direkt eine Angststörung oder Panikstörung haben. Wie sich aus einer Panikattacke eine tatsächliche psychische Erkrankung entwickelt und was die Ursachen dafür sind, erkläre ich euch hier.

 

Was passiert im Körper und wie entwickelt sich eine Panikattacke:

Im ersten Absatz habe ich euch ja bereits erklärt, woher die Funktion einer Panikattacke bzw. dieses Notfallprogramm des Körpers / Geist eigentlich resultiert und das es im Grunde tatsächlich eine sinnvolle Aufgabe hat: Euch zu schützen. Das diese Funktion jetzt etwas außer Kontrolle geraten ist und evtl. auch nicht gerade passend zu der Situation ist, ist das eigentliche Problem an der Sache. Aber schauen wir uns erstmal an, was im Zuge einer Panikattacke in Deinem Körper passiert und was genau der Grund dahinter ist. Gesteuert wird dies übrigens alles vom vegetativen Nervensystem, ein automatisierter Teil eures Körpers – Panikattacken laufen also vollkommen automatisch ab. Dieses Nervensystem arbeitet übrigens blitzschnell, schließlich soll es euch in Gefahrensituationen selbstständig schützen und nicht durch Überlegungen etc. aufgehalten werden. Genau das ist natürlich auch der Punkt, der die Beeinflussung extrem schwierig macht.

Aber kommen wir nun zu dem Ablauf der Attacke:

  1. Das Herz fängt an zu rasen, beschleunigt und pocht wie wild. Sinn dahinter ist, das es nun möglich ist, wesentlich mehr sauerstoffhaltiges Blut in Deinen Körper zu pumpen, alle wichtigen Körperteile sind also so bestens versorgt und bereit für den Kampf oder die Flucht!
  2. Deine Atmung verändert sich, wird meist flacher und häufiger. Auch hier ist der Sinn, genau wie beim Herz, die maximale Versorgung mit Sauerstoff. Problematisch dabei ist, das eben genau das euer Gefühl “Ich bekomme schlecht Luft” oder “Ich ersticke” verursacht – ihr habt eine Sauerstoffüberversorgung, eine Hyperventilation. Dies löst übrigens auch den bekannten Schwindel aus.
  3. Im nächsten Schritt wird nun von überall das Blut abgezogen und in die zur Flucht bzw. Kampf wichtigen Teile geleitet – die Arme und Beine. Und wer hätte es gedacht: Wenn das Blut irgendwo gebraucht wird, fehlt es wo anders. Das ihr also blass ausseht ist definitiv keine Einbildung sondern einfach der Tatsache geschuldet, das eure Blut gerade an anderen Stellen dringender benötigt wird. Das Gleiche gilt für das komische Gefühl im Magen, auch hier wird das Blut abgezogen.
  4. Nun bist Du am Höhepunkt angelangt: Der Körper schüttet in großen Mengen Adrenalin aus und bereitet Dich auf die Konfliktsituation vor. Du bist voller Energie, dein Körper ist in 100% Alarmbereitschaft und bereit zum Kampf oder für die Flucht. Wenn Dich jetzt ein Elefant verfolgen würde, hättest Du also gute Chancen es zu überleben und  schnell weg zu sein :) Das Problem von uns ist nun aber: Es gibt ja keinen Elefanten oder eine tatsächliche Gefahr, vor der wir abhauen müssten oder kämpfen sollten. Deswegen fängst Du nach kurzer Zeit an zu Zittern, die Anspannung muss ja bedient werden. Und damit Du, wie ein Auto das zu warm wird, nicht überhitzt kommen die Schweißdrüsen zum Einsatz – Dein Körper versucht sich zu kühlen.
  5. Die körperlichen Reaktionen sind jetzt auf dem Höhepunkt – mehr geht nicht. Alles weitere, z.B. das Du verschwommen siehst oder Dich schwindelig fühlst, sind alles Resultate aus dem hohen Sauerstoffvorkommen oder dem ausgeschütteten Adrenalin. Herzlichen Glückwunsch, Du hast Deine Panikattacke erreicht :)

Ab jetzt steigerst Du Dich psychisch voll rein:

  • Ich sterbe gleich
  • Oh mein Gott, ich kippe gleich um
  • Mit Sicherheit werde ich gleich ohnmächtig
  • Warum fühlen sich meine Beine so komisch an?
  • Wie kann ich schnell der Situation entkommen?

Um es klar zu sagen: Du stirbst nicht. Du kippst auch nicht um bzw. wirst ohnmächtig. Wenn Du den Ablauf nun komplett verstanden hast, weißt Du woher die Symptome stammen und das sie ausnahmslos Deinem Schutz dienen. Würde wenig Sinn machen, wenn Dein Körper in den Notfallmodus schaltet und Du dann, auf der Flucht vor einer Gefahr, genau durch dieses Notfallprogramm stirbst oder? ;) Nein, das passiert nicht!

Du denkst jetzt nur noch an Flucht, schnell weg bevor die schlimmste Befürchtung (Tod, Herzinfarkt, Ohnmacht etc.) eintrifft und genau das ist es, was eine zukünftige Panikstörung erst ermöglicht. Das beruhigende Gefühl, das vermeintlich durch die Flucht entsteht, rührt nicht dadurch! Es liegt schlicht und ergreifend daran, das der Körper diesen Notfallmodus nicht dauerhaft aufrechterhalten kann und dass das vegetative Nervensystem nach einer gewissen Zeit vollautomatisch wieder das Adrenalin abbaut etc. Probiert es aus: Flüchtet nicht aus der Situation und lasst, so schwierig das ist, die Angst über euch ergehen. Beobachtet eure Symptome, erklärt euch z.B. “Ah, jetzt werde ich blass weil mein Körper denkt, er braucht das Blut jetzt in den Beinen weil ich rennen muss” – erklärt euch selber, woher die Symptome stammen und wartet einfach ab. Ihr werden sehen, dass a. absolut nichts wirklich schlimmes passiert und b. nach wenigen Minuten bereits die Symptome anfangen zu verschwinden. Es ist so leicht, auch wenn es extreme Überwindung kostet: Das ist der erste Weg zur Besserung!

 

 

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2 thoughts on “Panikattacken

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